Der Bahnhof Geist

Veröffentlicht: 30. September 2015 in Viertel

Über die Gleisanlagen auf der Geist konnte wir hier im Blog ja einiges erfahren. Besonders interessant sind für uns ja der große Streckenstrang mit der eingleisigen „Empel-Rees Bahn“ durch die Baumberge und die doppelgleisige Trasse der „Hamburg-Venloer Bahn“ nach Wanne-Eickel. Diese drei Schienenstränge befinden sich südlich des Geistviertels zwischen Düesbergweg und Sternbusch.
Gleisanlagen Geist-1

Was aber hat es mit den vielen anderen Gleisen auf sich, die man am Bahnübergang beim Höttestift sieht? In der Eisenbahn-Direktionskarte von 1960 finden wir mehrere Anhaltspunkte:
Eisenbahn-Direktionskarte 1960

Bei Kilometer 107 ist die „Brückenmeisterei Geist“ mit mehreren Rangiergleisen eingetragen. Dabei handelt es sich um einen großen Bauhof der Bahndirektion Münster. Diese ehemalige Brückenmeisterei (Brm) Münster war an das Gleis der Baumbergebahn angeschlossen und wurde vom Güterbahnhof (Gbf) Münster aus angefahren. Eine Verbindung zu den anderen Gleisen bestand nicht.
Gleisanlagen Geist-2

Die Brückenmeisterei wurde auf die Sandgrube an der Hammer Straße gebaut. Wir erinnern uns, dass der Aushub für den Bahndamm der Trasse nach Hamm benutzt wurde. Heute befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Brm die Werlandstraße mit dem Wohngebiet „Südterrasse“.

Reisende nach Coesfeld sahen rechts der Strecke also zunächst dieses Bahnbetriebswerk. Direkt gegenüber an der „Preußen-Bahn“ nach Dortmund befand sich das Stellwerk Geist Nord, wie man im folgenden Bild von 1984 gut sieht:
Stellwerk Geist Nord Gnf und Brückenmeisterei Brm Geist

Dieses Stellwerk war Teil des Bahnhof Münster Geist und wurde im Bahnjargon Stw „Gnf“ genannt – also „Stellwerk Geist Nord Fahrdienstleitung“.
Stellwerk Gnf Geist Nord Fahrdienstleitung
Bis zu seinem Abriss im Jahr 1985 war dieses Stellwerk in Betrieb. Heute ist an dieser Stelle nur noch Schaltschränke zur Steuerung und Heizung der Weichen geblieben.
Gnf 2015

Direkt neben dem Stw „Gnf“ gab es am Gleis der Preußen-Bahn den Haltepunkt „Münster (Westf) Preußenstadion“. Dieser Haltepunkt war Teil des Bahnhofs Geist und stammt aus den 1920er Jahren. Damit war das Preußenstadion das erste Deutsche Stadion mit eigenem Eisenbahn-Haltepunkt! Ende der 1960er Jahre wurde der Sonderverkehr zum Stadion eingestellt und der Haltepunkt restlos entfernt.

Einen weiteren Haltepunkt am Bahnhof Geist gab es am Coesfelder Gleis. Etwa in der Höhe des Bahnübergangs am Sternbusch befand sich der Haltepunkt Geist. Vom 1.7.1924 bis zum 25.9.1966 machten die Züge der Strecke Empel-Rees – also der späteren Baumbergebahn – hier einen fahrplanmäßigen Halt. Sowohl für die Bewohner des südlichen Geistviertels als auch für die Angestellten und Patienten des nahegelegenen Clemenshospitals bedeutete dies eine günstige Verbindung zum Hauptbahnhof.

Im Gegensatz zu einem wirklichen Bahnhof gibt es bei einem Haltepunkt keine Weiche und kein Ausweichgleis. Die Züge halten also auf dem regulären Gleis an und können dort auch nicht überholt werden. Für ausfahrende Züge gab es einen Wechsel auf eine andere Bahnstrecke erst wieder am nächsten Bahnhof im Mecklenbeck. Der vermeintliche Vorteil eines Nebengleises kann allerdings auch fatale Folgen haben, wie sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 1963 zeigte. Durch eine falsche Weichenstellung kam in Mecklenbeck ein Zug nicht vor, sondern auf dem Bahnsteig zum stehen (verletzt wurde dabei aber niemand):
Lokomotivenunfall Mecklenbeck

Aber zurück zum Geistviertel. Gegenüber des Haltepunkts Geist stand bis ins Jahr 1985 das Stellwerk Geist Süd – im Bahnjargon kurz Stw „Gs“ genannt.
Stellwerk Gs Geist Süd

Auch die Schranken des direkt benachbarten Übergangs am Sternbusch wurden von hier bedient. Längst wird der Übergang vom Hauptbahnhof ferngesteuert und außer dem bekannten Stromkasten und einer zugewachsenen Sprechanlage ist nichts mehr übrig geblieben.
Gs 2015

In der folgenden Übersicht findet ihr verschiedenen Bahneinrichtungen in die heutige Karte eingezeichnet:
Eisenbahnbauten

Eine weitere Spur der Geschichte findet sich auf dem Gelände des alten Bahnhofs Geist allerdings doch noch bis heute. Bei dem auf der Karte eingezeichneten Betriebsgebäude handelt es sich um eine provisorische Zugwerkstatt, welche im zweiten Weltkrieg dort eingerichtet wurde. Unter freiem Himmel – aber durch die Großen Bäume des Sternbusches vor Blicken der Flieger geschützt – wurden dort Lokomotiven und Waggons der Reichsbahn von Zwangsarbeitern repariert. Einzig für Büroarbeiten gab es ein kleines Gebäude. Bis heute finden sich im Wäldchen zwischen den Gleisen noch Ruinen dieses ehemaligen Betriebsgebäudes.
Ruinen Bahnbetriebsgebäude

Bei der Bombardierung am 9. 3. 1945 wurde auch ein Gleisbauzug mit Gefangenen getroffen. Im Sterbebuch der Stadt Münster heißt es über vier junge Männer aus der damaligen Sowjetunion etwa:

„Der Ostarbeiter Iwan Antonow, geboren am 1. 6. 1924 in Staiki, wohnhaft im Gleisbauzug 0609 der Reichsbahndirektion Dresden verstarb durch Fliegerangriff am 9. 3. 1945 ca. 10:00 Uhr in der Sandgrube Hammer Straße.“

Beerdigt wurden sie auf dem sowjetischen Gräberfeld (Block 21) des Waldfriedhof Lauheide.

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Kommentare
  1. Wow, sehr interessant! Wann ist eigentlich das 4. Gleis abgebaut worden? Man sieht (Februar 2016) gefällte „Bahn-Nachfolge-Birken“ und Schwellen, aber das Gleis, das vor drei Jahren noch lag, ist weg…

  2. […] der Bahnanlagen auf der Geist gab es hier im Blog ja schon verschiedene Berichte. Etwa zum Bahnhof Geist und zu den Gleisanlagen auf der Geist. Die Einbindung der Bahnanlagen in den Nahverkehr ist aber […]

  3. Harald sagt:

    Gehört nicht direkt zum Bahnhof Geist – ist aber auch sehr spannend: Ein paar Artikel zur Güterumgehung: http://n-gauge.ctreber.com/?p=130

  4. […] des ehemaligen Haltepunts auf der Geist. Hier im Blog gab es ja vor einiger Zeit einen Artikel zu den Gleisanlagen auf der Geist. In der Übersichtskarte war die Position des Bahnhaltepunkts allerdings nicht ganz korrekt […]

  5. […] zu diesem Haltepunkt und den anderen Bahnanlagen im Geistviertel findet ihr in den Beiträgen zum Bahnhaltepunkt Geist und zu den Gleisanlagen auf der […]

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